Tradition 2.0?

Gestern ist das weltgrößte Bierfest zu Ende gegangen. Vielleicht wird es sogar als „Jahrhundert Wiesn“ in die Geschichte eingehen, weil Wetter und Umsätze aussergewöhlich gut waren.

Ich mag die Wiesn und habe sie, über die Jahre, in vielerlei Facetten erlebt. Egal, ob das Oktoberfest in München, oder an einem anderen Ort der großen weiten Welt zelebriert wird, es ist eine wichtige und schöne Tradition für viele Menschen.

Doch die Schönheit dieser Tradition hört am Münchner Hauptbahnhof oft schon wieder auf. Nämlich da, wo Menschen „umhergeistern“, deren Alkoholkonsum überhaupt nicht gesellschaftlich akzeptiert ist. Manch einer kommt von der Wiesn und ekelt sich vielleicht sogar vor einem alkoholkranken Menschen, ohne zu wissen wie weit er/sie selbst von einer Sucht entfernt ist.

Wäre es möglich, das größte Bierfest der Welt von der „Biersaufen“ Tradition zu lösen? Es gibt schon ein paar Ideen: so könnte z.B. der Oberbürgermeister in Zufunft alkoholfreies Bier anzapfen. Es ist auch nicht mehr von der Hand zu weisen, dass junge Menschen weltweit, bewußt auf Alkohol verzichten. In meinem Alter heißt das Thema „Longevity“. Da passt Alkohl auch nicht dazu. Selbst das eine Glas Rotwein am Tag, welches vor ein paar Jahren noch gesund war, ist obsolet.

Dennoch ist Biertrinken, gerade in Bayern, eine Tradition. Es gibt zahlreiche Feste, und das Oktoberfest ist einfach nur das größte davon. Mit meinem Beitrag mag ich für viele ein Spaßverderber sein. Das Recht auf Rausch kann man als ein Menschenrecht betrachten. Die meisten Menschen denken, sie haben ihren Konsum im Griff. Ok – meinentwegen. Aber bitte verurteilt nicht die, bei denen eine Suchtkrankheit offensichtlich ist. Auch sie wollten anfangs nur Spaß haben, auf eine andere Bewußtseinsebene gelangen oder Schmerz und Ängste verdrängen.

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