sei ruhig, nett und brav

Da ist sie wieder: die Leitlinie meiner Kindheit.

Warum schreibe ich heute darüber? Weil ein Lehrer zu mir sagte: „Dein Kind ist so brav.“ Und das hat mich getriggert.

„Brav“, „ruhig“ und „nett“ sein klingt, als ob man super langweilig, unauffällig und angepasst ist. Stimmt vielleicht sogar ein bißchen. Aber die eigentliche Frage ist, warum halten sich manche Kinder (so wie ich) daran? Was versprechen sie sich davon?

Wir wünschen uns Anerkennung, Wertschäzung und Liebe – vor allem von Menschen, die uns nahe stehen. Das kann zu erheblichem Leistungsdruck führen: immer alles richtig machen (so wie es erwartet wird) und nicht auf die eigene, innere Stimme hören.

Wahrscheinlich hat es der Lehrer nicht abwertend gemeint. Könnte „brav sein“ eventuell sogar ein Kompliment sein?

Das englische Wort „brave“ bedeutet mutig. Vielleicht gehört Mut und „brav sein“ zusammen? Vielleicht braucht es Mut, Leistungen jeglicher Art für andere zu bringen? Vielleicht entwickeln sich durch „brav sein“ Werte wie Empathie und Mitgefühl?

Dennoch sollte man sich selbst darüber nicht vergessen. Dieser Preis ist zu hoch und bringt letzten Endes niemanden etwas. Daher ist „wild, frei und frech“ als Ausgleich enorm gut und wichtig.

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