ist schüchtern sein ok?

Diese Frage habe ich mir jahrzehntelang gestellt. Seit der 2. Klasse habe ich das Label „introvertiert“. Es klingt wie eine Krankheit, aber keine Angst: „Trau Dich halt einfach, stell Dich vorne hin und red` halt einfach – Du Mauerblümchen! Dann bist Du wie die anderen.“

Ist es mein Ziel „wie die anderen“ zu sein? Wie wäre es denn, wenn wir alle „Rampensäue“, oder netter formuliert, extrovertiert sind? Vor allem im Berufsleben musste ich mich oft präsentieren, aus der Menge herausstechen und grundsätzlich besser, im Sinne von lauter, sein. Anstrengend für mich – selbstverständlich für andere.

Ich wünsche mir, dass es mehr akzeptiert wird, anders zu sein. Anders zu kommunizieren – ruhig, bedacht- und gerne schriftlich. Das heißt auf keinen Fall, dass ich keine anderen Menschen mag – ich bin neugierig und bei Zeiten auch gesellig. Aber ich brauche Rückzugsmomente und vermeide Oberflächlichkeit.

Dennoch scheint Schüchternheit immer noch eine Schwäche zu sein. Ich höre oft von Müttern: „mein Kind ist leider schüchtern, aber das wird dann schon.“ Manchmal antworte ich darauf: „Keine Angst, ich bin´ s auch.“

Auf Wikipedia heißt es so schön: „Extrovertierte schöpfen ihre Kraft aus dem Umgang mit anderen Menschen,  introvertierte schöpfen aus sich selbst.“ (Erika B. Hilliard)

Bitte lasst uns! Gebt uns Zeit mit uns selbst! Danach besprechen wir alles im Team 🙂

Wie immer ist es die Vielseitigkeit, die sich, in ihrer Buntheit, ergänzt zu einem großen Ganzen. Schüchtern sein heißt, auf Ängste achten, beobachten, reflektieren, zuhören. Das sind keine Schwächen, sondern Stärken.

Ihr, die nicht so seid: der Blick hinter die Fassade lohnt sich! Denn, wie mir schon oft gesagt wurde: „Stille Wasser sind tief“. Es gibt viel zu entdecken – wenn ihr wollt ∞

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