Vor ein paar Jahren fand ich es wunderbar, dass ich für bestimmte Personen endlich ein Label hatte und damit alle seine/ihre schlechten Eigenschaften unter einen Hut packen konnte. Schublade auf – Schublade zu. Klar, Narzissten sind so: sie dürfen lügen, sie sind rücksichtslos, representierfreudig, ziehen andere in ihren Bann und alles, weil sie ein schwaches Selbstwertgefühl haben und eine schlimme Kindheit sowieso.
Wenn man unter einem Narzissten/ einer Narzisstin leidet, soll man am besten flüchten, selbst wenn man in einer Beziehung steckt. Oder man wird zum Co- Narzisst (= Komplementärnarzisst). Als solcher kann man sich dann anscheinend arrangieren.
Ja, ich bin genervt. Denn je mehr mir dieses Modewort zu Ohren kommt, desto häufiger taucht bei mir die Frage auf: wieviel Narzissmus steckt eigentlich in jedem von uns? Ist es grundsätzlich schlecht, wenn ich mir was Schönes zum Anziehen kaufe und auf Bewunderung hoffe? Die Narzisse an sich ist doch ein hübsches Blümchen, gerade in der Osterzeit.
Wie immer gilt: das Ganze ist differenzierter zu betrachten. Natürlich passt der Begriff sehr gut auf manche Zeitgenossen. Aber es ist trotzdem nur ein Persönlichkeitsbild, welches zum Reflektieren und Nachfragen anregen sollte.
